Der frühe Einsatz von Tranexamsäure kann bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma die Sterblichkeit aufgrund der Hirnverletzung senken. Nach den Ergebnissen einer weltweiten randomisierten Studie profitieren Patienten mit leichten bis mittelschweren Verletzungen von der Gabe des Antifibrinolytikums. 1,2

Vorteil bei extrakraniellen Blutungen bereits nachgewiesen
Tranexamsäure wird seit längerem als mögliche Therapieoption bei Schädel-Hirn-Trauma diskutiert. Wie bereits die Vorgängerstudie („CRASH 2“) ziegen konnte, senkt das Antifibrinolytikum bei Traumapatienten mit extrakraniellen Blutungen die Zahl der Todesfälle um ein Drittel. Patienten mit reinem Schädel-Hirn-Trauma waren hier jedoch von der Behandlung ausgenommen.

 
Multizentrische, internationale Studie
In der  „CRASH 3“-Studie  wurde jetzt der Einsatz von Tranexamsäure bei Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma untersucht hat. Eingeschlossen wurden 9.202 Patienten (im Mittel 42 Jahre, 80 % männlich) aus 29 Ländern mit einem mittelschweren oder schweren Schädel-Hirn-Trauma (12 oder weniger Punkte in der Glasgow Coma Scale, GCS) beziehungsweise dem Nachweis einer Hirnblutung im CT. Dabei durfte das Unfallereignis nicht mehr als drei Stunden her sein. Die innerhalb der ersten drei Stunden begonnene Behandlung bestand aus einer Anfangsdosis von 1 g über 10 Minuten und einer anschließenden Infusion von 1 g über 8 Stunden oder einer Placebogabe.

 
Kein Unterschied bei schweren Hirnverletzungen
In der Tranexamsäure-Gruppe starben innerhalb von 28 Tagen 18,5 % der Patienten an den Folgen der Kopfverletzung – in der Placebogruppe waren es 19,8 . Das relative Risiko von 0.94 (95 KI: 0.86-1.02) verfehlte die statistische Signifikanz. Dies lag vor allem daran, dass die Behandlung bei den Patienten mit den schwersten Verletzungen keine Vorteile zeigte; Patienten mit einem GCS 3 bis 8 verstarben in beiden Gruppen etwa 40 % der Patienten innerhalb von 28 Tagen.

 
Vorteil bei GCS über 8
Patienten mit leichten bis mittelschweren Kopfverletzungen (GCS 9 bis 15) profitierten dagegen signifikant von dem Antifibrinolytikum: In der Tranexamsäure-Gruppe verstarben 5,8 % und in der Placebo-Gruppe 7,5 % der Patienten, mit einem relativen Risiko von 0,78 (95% KI: 0.64-0.95). Bei diesen Patienten war die Wirkung von Tranexamsäure umso besser, je früher nach dem Unfall mit der Infusion begonnen wurde.

Quellen

  1. The CRASH-3 trial collaborators; Effects of tranexamic acid on death, disability, vascular occlusive events and other morbidities in patients with acute traumatic brain injury (CRASH-3): a randomised, placebo-controlled trial; Lancet (2019);
  2. Deutsches Ärzteblatt: “Hirnverletzungen: Tranexamsäure senkt Sterberisiko” 15.10.2019